Komplette Traverse der Gleinalm
, Peter mit Werner RessiDas heurige Jahr stand im Zeichen von Projekten abseits von Trailrunning und Speedhiking. Zum einen stand die Genesung einer Meniskusverletzung im letzten Winter am Programm, zum anderen ging es im Juli wieder einmal auf eine Expedition in mehr oder weniger eisige Höhen. Dennoch wollten Werner und ich heuer noch eine gemeinsame Endurance-Tour unternehmen. Schon seit längerem spukte mir der Gedanke im Kopf herum, das weststeirische Randgebirge in mehr oder weniger kompakter Form zu überqueren. Irgendwann brachte auch Werner den Vorschlag in diesem Bereich eine längere Tour zu machen auf den Tisch. Nach etwas Planung fiel unsere Wahl auf die Überquerung der Gleinalpe. Diese zieht sich ja in ihrer Gesamtheit, von Bruck bis zum Gaberl und schaut man sich die Tour auf der Karte an, bildet sie eine wunderbare direkte Linie. Den Großteil des Weges kannte ich zum einen von der Oxxentour bzw. von der einen oder anderen Trailrunning Tour. Lediglich der Bereich zwischen kurz vor der Fensteralm bis zum Polstersattel kannte ich nicht. Das hatte sich aber Werner noch vor ein paar Wochen angeschaut. Für die Einteilung ist es schon vorteilhaft, wenn man sich auf den einen oder anderen bevorstehenden Hillclimb entsprechend einstellen kann! Bei einer gemeinsamen Bike-Tour im August planten wir dann unsere Tour für das letzte Ferienwochenende und glücklicherweise war das Wetter dann an dem Wochenende auch ganz gut.
Komplette Traverse der Gleinalm
Kurz vor sieben Uhr morgens geht's los, direkt vor dem Eingang zum Jufa Bruck. Wir planen über den Susannesteig auf den Hochanger zu gehen. Der führt relativ direkt, aber nicht allzu steil über die ersten rund 700 Höhenmeter des Tages. Während ich meist ohne detaillierte Zeitplanung in solche Projekte gehe und die Dinge einfach auf mich zukommen lasse, hat sich Werner (wie üblich) etwas mehr Gedanken gemacht ;-) Das zeigt sich schon auf diesem ersten Anstieg. Werner legt hier ein ordentliches Tempo vor. Er hat natürlich den Vorteil, heuer schon 4 Endurance-Touren zwischen 40 und 50 km in den Beinen zu haben. Für mich, wie erwähnt, ist es ein kleines Experiment, vor allem wie der Meniskus auf die anstehenden Kilometer reagieren würde. So gesehen, wäre ich es alleine zumindest zu Beginn etwas gemütlicher angegangen. Aber es wird schon gehen. Nach rund einer Stunde sind wir dann auch schon am Hochanger.
Der Weg vom Hochanger zum Eisenpass ist mir bereits von einer Trailrunningrunde vor ein paar Jahren bekannt. Hier geht es über Forstwege leicht fallend dahin, der Puls kann sich wieder etwas beruhigen ;-) Vom Eisenpass zu den drei Pfarren nehmen wir nicht den steilen, stark verwachsenen Weg unter der Stromtrasse, sondern folgen dem Wanderweg, der in einem Bogen und vor allem gleichmäßig steil, von Osten zum höchsten Punkt führt. Weiter geht's über Wiesenwege, dann beginnt der teilweise relativ steinige Anstieg zum Herrenkogel. Auch diesen Bereich hatte ich mir letztes Jahr mal angeschaut. Glücklicherweise ist der Aufstieg dann doch kurzweiliger als ich es in meiner Erinnerung hatte. Damals kam ich aus der anderen Richtung und es war nass, vermutlich hat es sich deshalb mehr gezogen. Bald ist der Herrenkogel erreicht. Nächstes Ziel die Hochalm. Im Sommer und gegen Vorreservierung ist die Hütte an den Wochenenden bewirtschaftet, heute aber nicht. Zum Glück ist der Tag perfekt für unsere Tour, es ist nicht sonderlich warm, Ärmlinge und Stirnband verträgt man gut, aber das führt natürlich auch dazu, dass wir weniger zu trinken brauchen. Ab der Hochalm traben wir über sehr schöne Trails Richtung Almwirt. Hier gibt es einen Außenwasserhahn, für den Fall, dass man Flüssigkeit nachfüllen muss. Werner hatte aber ein paar Wochen zuvor auch einen kleinen Bach noch etwa 1,5 Kilometer weiter ausgecheckt. Bis dort geht es auf einer Forststraße in flowiger Steigung dahin. Den Bach sollte man nun aber wirklich nutzen, das ist die letzte Möglichkeit, Flüssigkeit aufzufüllen vor dem Gleinalm-Schutzhaus, und bis dorthin sind es noch stolze 17 Kilometer - wenn es heiß ist, kann das zäh sein!
Am Pöllasattel geht es dann wieder auf einen Wandertrail, teilweise ist der Weg hier etwas verwachsen und man muss genau schauen. Den Teil hatte ich auch noch von der Gamser Almrunde in Erinnerung - zum Glück auch hier bergauf kurzweiliger, als damals im Downhill vermutet. Nach diesem Abschnitt trifft man wieder auf eine Forststraße, die bis auf einen kleinen Sattel kurz vor der Fensteralm führt. Den folgenden Abschnitt bis zum Polstersattel kenne ich nicht. Werner hatte sich diesen aber auch ein paar Wochen zuvor angeschaut, und bevorzugt hier die parallel zum Wanderweg führende Forststraße bis zum Sattel, nach dem Motto 'Wurzeltrails haben wir heute eh noch genug' ;-) Am Forstweg können wir auch wieder mehr laufen, man spart sich ein paar Höhenmeter, dafür ist es etwas weiter.
Vom Polstersattel geht es auf den Eiblkogel, zuerst etwas steiler, zuletzt flacher über einen Rücken. Wir haben nun Blick auf das Übelbachtal, ansonsten schaut man hier meistens von der A9 herauf, für uns ist es nach dem Zlatten- und Gamsgraben das nächste große Tal, in das man im Laufe dieser Runde hinunterblickt bzw. noch blicken wird. Inzwischen haben wir die Baumgrenze hinter uns gelassen und es bläst ein frischer Wind, Zeit für Jacke oder zumindest ein winddichtes Gilet (ärmellose Weste ;-). Von hier haben wir einen ersten Blick auf den Speikkogel, den höchsten Punkt unserer Tour - ist noch ein Stück - aber auch der Blick zurück ist beeindruckend, rund 25 Kilometer haben wir schon zurückgelegt. Beim Abstieg in den Kreuzsattel sehen wir auch die ersten Wanderer des Tages, bislang waren wir praktisch noch niemandem begegnet. Vom Kreuzsattel folgt der letzte längere Anstieg vor dem Speik, zu dem es dann zum Glück nicht mehr weit ist. Zuletzt noch der technisch anspruchsvolle Downhill zum Gleinalm-Schutzhaus, welches wir nach knapp 7 Stunden erreichen, Zeit für eine kurze Pause, etwas trinken, Flasks auffüllen und weiter geht's - die Wanderer, die vor der Hütte gemütlich an der Brettljause oder der Kaspressknödelsuppe sitzen, schütteln bei diesem Verhalten teilweise nur den Kopf. 37 Kilometer wären bis jetzt geschafft, knapp 7 Stunden unterwegs. 20 km warten noch!
Es folgt nochmal ein steiler Anstieg Richtung Rossbachkogel. Diese Gegend kenne ich nun recht gut, zum einen von vielen Wanderungen, Trailrunning- oder Mountainbike-Touren, aber auch von der legendären Oxxentour, die sozusagen den Grundstein für meine (Ultra-)Trailrunning Karriere bildete, weil ich sah - es geht auch a bissl mehr ;-). Auch der Anstieg auf den Kamm über der Brendlalm ist bald hinter uns gebracht, den Rossbachkogel umgehen wir am Wanderweg und kurze Zeit später erreichen wir auch schon die Zeismannhütte. Wieder eine Wasserstelle. Noch ein Stück Trail, ab der Terenbachhütte folgen wir dem Forstweg Richtung Sattelhaus. Hier kommen wir mit ein paar Wanderern ins Gespräch, die nicht schlecht staunen, als wir erzählen, dass wir heute schon von Bruck kommen. Natürlich zieht es sich jetzt schon etwas, wir sind froh über jeden Kilometer, den die Uhr runter bzw. rauf zählt, abhängig von der Ansicht ;-)
Das Sattelhaus selbst lassen wir sozusagen links liegen und machen uns direkt auf den Weg zum Stierkreuz. Hier wurde seit meinem letzten Besuch im Zuge der Oxxentour eine breite Forststraße gebaggert - schade, aber kann man nix machen. Der weitere Weg Richtung Gaberl führt über weite Strecken über schöne flowige Trails und außer ein paar kleinen Steigungen kann man hier gut Kilometer machen. Darüber sind wir nicht böse, 50 km plus gehen nicht ganz spurlos an uns vorüber. Zuletzt noch ein paar hundert Meter über die Gaberl Bundesstraße, es beginnt nun leicht zu regnen, jetzt ist es uns aber schon egal, wir haben es so gut wie geschafft. Kurz vor 17.30 erreichen wir die Passhöhe des Gaberl - eine tolle Tour mit grandioser Linienführung liegt hinter uns!
Impressionen
Informationen und Hinweise
| Trail Info - Strecken Eckdaten | |
|---|---|
| Aufstieg: | 3250 m |
| Strecke: | 57 km |
| Kilometerleistung: | 90 |
| Anmerkung: | Trailrunning Equipment inkl. GPS Track oder Karte empfehlenswert. Je nach Temperatur entsprechend Flüssigkeitsvorräte mitnehmen. Vom Bach beim Almwirt bis zum Gleinalm-Schutzhaus keine Quelle oder Wasserstelle! |
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Komplette Traverse der Gleinalm (Karte)
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Komplette Traverse der Gleinalm GPS TRACK (GPX)
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